Königing Margrethe 2. zu besuch bei den Friesen

Dronningen bes¿ger Risum Danske Skole(foto : Keld Navntoft, Kgl. Danske Generalkonsulat 2019) Dronningen bes¿ger Risum Danske Skole(foto : Keld Navntoft, Kgl. Danske Generalkonsulat 2019)
Ob das Wetter hält? Die Wartenden vor der dänischfriesischen Risum Skole/Risem Schölj senden bange Blicke gen Himmel. Viele haben rotweiße Fähnchen mitgebracht, einige sogar aus Schminke auf der Wange. Schließlich kommt Königin Margrethe II. von Dänemark nicht alle Tage nach RisumLindholm. Aber nicht nur der Dannebrog wird immer wieder probeweise geschwungen, sondern auch Friesenfahnen in Gold, Rot und Blau zeigen deutlich: Hier gibt es eine Besonderheit.

Dann geht es ganz schnell: Die Königin wird in einer schwarzen Limousine mit Blaulicht vorgefahren, steigt aus, winkt – wie könnte es auch anders sein – königlich und erntet Jubel. Viele Kinder, auch von dänischen Kindergärten und Schulen aus anderen Orten der Region, säumen den Schulhof, aber auch einige erwachsene Schaulustige lassen sich diese Gelegenheit nicht entgehen.

Margrethe II. winkt weiter, schüttelt Hände ausgesuchter Repräsentanten und wird dann in die Schule geführt. Dort bekommt sie kurze Einblicke in Gesangs- und Handwerkskunst der Schüler. „Schön, wirklich schön“, sagt die 79-jährige Majestät im Werkraum. Dann blickt sie aus dem Fenster: „Oh nein, wie es regnet!“, sagt sie bedauernd mit Blick auf die Menschen, die draußen trotz kräftiger Schauer ausharren, bis die Königin wieder aus dem Gebäude tritt.

Wenig später begibt sich die Monarchin nebst Begleittross in die Turnhalle hinüber, wo der längste Programmpunkt des knapp einstündigen Besuchs ansteht. Margrethe II. wird dort drei kurze Vorträge über friesische Kultur und Geschichte hören, außerdem spielen Schüler Theater; es geht um König Abel, einen mittelalterlichen Vorgänger Margrethes.

Dass die friesische Volksgruppe, und nicht die dänische Minderheit, an diesem Vormittag im Rampenlicht steht, geschieht dem Vernehmen nach auf den ausdrücklichen Wunsch ihrer Majestät. „Wir freuen uns, dass die Königin zum ersten Mal bei den Friesen ist“, sagt Ilse Johanna Christiansen, die Vorsitzende des Friesenrats, Sektion Nord, als man auf dem Schulhof noch auf Margrethe II. wartet. Deshalb wurde auch die Risum Skole/Risem Schölj ausgewählt – sie ist die einzige dänische Schule im Land, an der auch Friesisch gelehrt wird.

„Wenn wir unsere Sprache verlieren, verlieren wir unsere Identität“, sagt Bahne Bahnsen, Vorsitzender der Friisk Forening, der erste der Vortragenden. Die Königin hat inzwischen in einem Sessel vor der Bühne Platz genommen. In der Turnhalle haben sich zuvor weitere Repräsentanten der Friesen eingefunden.

Altbürgermeister Hauke Christiansen vertritt offiziell seinen Nachfolger, der im Urlaub weilt. Christiansen hätte die Königin gerne im Namen der Gemeinde begrüßt, aber das Protokoll ließ das nicht zu. „Keine Chance, das ist hier minutiös geplant“, sagt der frühere Schüler der Risum Skole / Risem Schölj.

„Wo kommen die Friesen eigentlich her?“, fragt Ingwer Nommensen, ehemaliger Vorsitzender des Friesenrats, und weist auf einen für Außenstehende schwer nachvollziehbaren Umstand hin. Als Friese könne man nämlich deutsch, dänisch oder eben einfach friesisch sein.

Friesen seien auch ein bisschen anarchisch, witzelt Dr. Claas Riecken vom Nordfriisk Instititut. Aber ein bisschen Ernst ist auch dabei. Für die Friesen sei das 100. Jubiläum des Referendums in Schleswig im nächsten Jahr „kein Grund zum Feiern. Es hat die Friesen gespalten“, so Riecken, für den es um die Frage geht: Wie behauptet man sich als Minderheit in einer globalisierten Welt, „ohne eigene MinderheitenSchulen, ohne eigene Zeitung, ohne Friesisch im Fernsehen, ohne eigenes Mutterland, wie es die dänische Minderheit in Deutschland und die deutsche Minderheit in Dänemark haben“.

Im Anschluss entscheidet sich die Königin, das Protokoll für einen Moment zu verlassen und noch einige Worte an die Versammlung zu richten – das war gar nicht vorgesehen. Besonders herzlich bedankt sie sich bei den Kindern.

Friesisch sei eine schöne Sprache, auch wenn sie nur den Klang beurteilen könne, sagt Margrethe II., sie spreche leider kein Friesisch, erläutert sie, und tut es dann doch, indem sie das Wort sagt, das sie gerade von einem Vorredner gelernt hat: „Adjis!“ Das friesische Tschüs hallt noch ein bisschen nach, während sich die Monarchin aus dem Nachbarland für die Abfahrt rüstet. „Margrethe II. ist auch die Königin der Friesen“, sagt Bahne Bahnsen im Nachgang lächelnd, obwohl die Monarchie nicht seine bevorzugte Staatsform sei. „Aber wir schätzen sie, weil sie eine herausragende Persönlichkeit ist.“

Wenig später macht sich der Konvoi aus Polizei, Offiziellen und königlicher Limousine (mit Kieler Kennzeichen) auf den Weg Richtung Flensburg. Der Besuch hat deutlich länger gedauert, als vom Dänischen Generalkonsulat angekündigt.

von Dorthe Arendt und Hagen Wohlfahrt (Shz)

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