Kieler Landtag behandelt Bericht zur Sprachencharta

Auszüge aus dem Beitrag des SSW von Anke Spoorendonk:

„Mit der zum 1. Januar 1999 in Kraft getretenen Sprachencharta wurde erstmals ein konkretes Instrument geschaffen, woran die nationalen Minderheiten in Europa die Förderung ihrer Sprachen im Alltag und in der Öffentlichkeit messen können. Dabei gibt es für die einzelne Minderheiten- oder Regionalsprache eine ganze Reihe Kriterien, die als staatliche Verpflichtung angemeldet worden sind. Das so genannte Monitoringverfahren, wodurch ein Expertenausschuss des Europarates die Umsetzung der einzelnen Charta-Bestimmungen vor Ort überprüft, sorgt dafür, dass ein permanenter Diskussionsprozess zwischen den Ratifizierungsstaaten und den betroffenen Sprachengruppen über die bisherige und künftige Förderung der Sprachen stattfindet.

Nach knapp vier Jahren wird dem Landtag heute wieder ein Bericht zur Sprachencharta vorgelegt. Wir können feststellen, dass sich in den letzten Jahren wirklich etwas bewegt hat, müssen aber auch klar sagen, dass es immer noch offene Baustellen gibt.

Durch das Friesisch-Gesetz, das 2004 im Landtag beschlossen wurde, hat sich für die Friesen in Schleswig-Holstein sehr viel geändert. Die Zweisprachigkeit – die verstärkte Anwendung von Friesisch im öffentlichen Raum – ist in der Region Nordfriesland ein viel wichtigeres Thema geworden als so manch einer im Vorwege dachte. Und wer genau hinschaut, sieht nun aufgrund von zweisprachigen Behördenschildern oder zweisprachigen Stationsnamen auf Bahnhöfen, dass man sich in einer besonderen Region befindet. Hinzu kommt, dass wesentlich mehr Menschen nunmehr auch ihre Anliegen bei Behördengängen auf Friesisch vortragen. In einer Reihe von Gemeinden hat das Gesetz dazu geführt, dass man nun die etwas eingeschlafene Diskussion über deutsch-friesische Ortsschilder wieder führt. Das heißt, das Gesetz hat nicht nur zum Selbstwertgefühl der friesischen Minderheit beigetragen, es dient auch der konkreten Sprachenarbeit.

Trotz der guten Nachrichten, die mit dem Friesisch-Gesetz verbunden sind, gilt es weiterhin, das Fundament für das Erlernen der friesischen Sprache zu stärken. Auch hier steht der Bereich Schule im Vordergrund, und wiederum hat der SSW eine Ergänzung des neuen Schulgesetzes in die parlamentarische Beratung eingebracht. Dabei ging es uns hauptsächlich um die Absicherung des Friesischunterrichtes und um die Festschreibung der Bestimmung, dass sowohl Eltern ihre Kinder zum Friesischunterricht anmelden können als auch, dass Schulen die Möglichkeit erhalten sollen, den Friesischunterricht selbstständig anzubieten. Dies ließ sich aus verschiedenen Gründen bei der Novellierung des Schulgesetzes nicht umsetzen. Aber wiederum wurde uns von Seiten der Großen Koalition signalisiert, dass eine Lösung gefunden werden soll. Wir können uns sowohl eine Verordnung als auch einen Erlass vorstellen, der das regelt, was wir seinerzeit in unserem Antrag vorschlugen.

Ein zweiter großer Bereich ist der Medienbereich. Friesisch findet im öffentlichen Fernsehen so gut wie nicht statt – der NDR sendet nur zwei bis drei Minuten Friesisch wöchentlich zu einem Zeitpunkt, wo man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass niemand mehr zuhört. Trotz der Bemühungen der Friisk Foriining, für Friesisch das Heft selbst in die Hand zu nehmen und einmal wöchentlich ein zweistündiges Programm im Internet und im Offenen Kanal Westküste zu senden, bleibt die Verpflichtung des NDR, hier für längere und häufigere Sendungen zu einem guten Sendezeitpunkt zu sorgen. So lange man im digitalen Satellitenfernsehen in Nordfriesland sorbische, bretonische, westfriesische, baskische Sendungen und Sendungen vieler anderer Minderheitensprachen sehen kann, darf der NDR eigentlich nicht ruhen, bis er endlich ein qualitativ gleichwertiges Angebot für Nordfriesisch einspeisen kann.

Politisch gesehen fordern wir die Landesregierung auf, schon jetzt in Verhandlung mit den anderen norddeutschen Ländern zu treten, um für die nächste Änderung des NDR-Staatsvertrages gewappnet zu sein.“

Lasmoot wårde

Wård lastmoot önj e Friisk Foriining

Nais foon diling

E radiosiinjing "Nais foon diling" brängt arken däi foon moundi bit fraidi aktuäle tisinge üt Nordfraschlönj än trinambai.